Fingerpicking - 5 Tipps für eine solide Zupftechnik | Gitarren-Blog

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Fingerpicking - 5 Tipps für eine solide Zupftechnik

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Viele Gitarristen meiden am Anfang die Fingerpicking-Technik, weil sie nicht so richtig wissen, wie diese funktioniert und worauf man achten sollte. In diesem Artikel gebe ich dir daher fünf wichtige Tipps, die dir helfen werden, mit Erfolg die Fingerpicking-Technik zu erlernen.

Fingerpicking oder deutsch „Zupftechnik“ ist eine interessante Begleittechnik und stellt gerade zum Spielen nach Rhythmuspatterns oder Schlagmustern eine willkommene Abwechslung dar.
Jedoch ist diese Technik für viele Gitarristen schwerer zu erlernen als das Anschlagen der Saiten mit dem Plektrum. Ich persönlich brachte mir die ersten Jahre das Gitarrenspiel selbst bei und traute mich dabei an das Spielen mit Fingern jahrelang nicht heran. Es fühlte sich einfach nicht gut an, weil ich nicht wusste, wie es richtig funktioniert. So benutzte ich selbst zum Stimmen der Saiten immer ein Plektrum, weil ich anders keinen sauberen Ton spielen konnte.

Schaue dir hier das Video zum Thema an:

Video direkt bei Youtube anschauen:
https://www.youtube.com/watch?v=9PwRdOs1oXU&feature=youtu.be

Erst viele Jahre später, in meinem Gitarrenstudium, wurde ich dann im klassischen Gitarrenunterricht zwangsweise an das Spielen mit den Fingern der rechten Hand herangeführt.
Und siehe da: Mit den richtigen Tipps konnte sogar ein überzeugter Plektrumspieler wie ich noch eine ganz passable Fingerpicking-Technik lernen.
Da ich auch heute immer wieder E-Mails mit Fragen zum Thema erhalte und im Einzelunterricht regelmäßig merke, dass es da Handlungsbedarf gibt, zeige ich heute meine fünf wichtigsten Tipps zum Thema Fingerpicking.

Zur anderen wichtigen Anschlagstechnik, dem Strumming, habe ich ein weiteres Video mit 5 essentiellen Schlagmustern aufgenommen!


Tipp 1:
Kümmere dich um die Fingernägel der rechten Hand!
Das habe ich früher total ignoriert, bzw. einfach überhaupt nicht darüber nachgedacht.
Ich kürzte die Nägel nur ab und zu mit dem Nagelknipser und versuchte, so damit zu spielen. Das funktionierte aber nicht: Meine Nägel waren scharfkantig und das Ergebnis klang einfach nur kratzig, und es fühlte sich auch nicht gut an!

Meines Erachtens gibt es zwei Möglichkeiten, was du mit den Fingern der rechten Hand machen kannst: Entweder, du schneidest sie mit einer Nagelschere ganz kurz, oder aber, noch besser, du lässt sie etwas länger wachsen, aber, dann müssen sie auch entsprechend gepflegt werden!
Eine dreistufige Polierfeile gibt es bereits für 1,- bis 2,- € in jedem Drogeriemarkt, und damit lassen sich die Kanten der Nägel wunderbar glatt feilen, einfach der Reihe nach mit allen drei Stufen der Feile rundherum bearbeiten!
Mit gefeilten und polierten Nägeln hast du eine viel bessere Grundlage für das Fingerpicking, es wird automatisch schon mal viel besser klingen, als mit scharfkantig abgeschnittenen Nägeln.

Tipp 2:
Die Haltung. Damit meine ich hier nicht die Gitarrenhaltung, das ist wieder ein anderes Thema, sondern die Haltung der rechten Hand. Ich empfehle dir, die Hand über dem Schallloch schweben zu lassen. Dabei sollten die Finger im mittleren Glied eingeknickt werden, man formt also eine Art Kralle mit den Fingern. Ein Fehler, den ich bei der Zupftechnik immer wieder beobachte, ist, dass viele Gitarristen dabei mit der Hand hochspringen, also weg von den Saiten.
Damit wird der nötige Spielfluss verhindert und es besteht die Gefahr, immer wieder falsche Saiten zu erwischen. Daher empfehle ich dir, deine Hand ganz ruhig über den Saiten schweben zu lassen, die Bewegung sollte dabei aus dem Finger-Grundgelenk kommen, ähnlich, wie wenn du mit den Fingern in die Hand „reinschnappst“ (vgl. Video).

Tipp 3:
Zupfen mit System.
Ich habe in meinen Anfängen zumeist wahllos mit einem einzigen Finger der Reihe nach abwechselnd die Saiten angezupft.
Doch ein fehlendes System verhinderte geradezu, dass ich jemals ein Stück flüssig spielen konnte. Daher empfehle ich dir folgendes System:
Ringfinger, Mittelfinger und Zeigefinger sind beim Zupfen jeweils fest für eine Saite zuständig. Es gibt auch andere Möglichkeiten, aber dieses verwende ich selbst in mindestens 90 Prozent der Fälle.
Der Daumen ist im Wechsel für die Basssaiten zuständig, welche Saite das ist, ändert sich je nach Akkord. Bei Akkorden über sechs Saiten zupft der Daumen die sechste Saite, z.B. bei G-Dur.
Bei Akkorden über fünf Saiten ist der Daumen für die fünfte Saite zuständig, wie z.B. bei C-Dur. Besteht ein Akkord aus vier Saiten, wie D-Dur, zupft der Daumen die vierte Saite an.
Mit diesem festen System musst du dir nie die Frage stellen: „Welchen Finger nehme ich jetzt?“, weil alles genau festgelegt ist.

Tipp 4:
Nicht hinschauen.
Auch das muss man natürlich trainieren, aber du musst dir angewöhnen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo die entsprechende Saite liegt. Deswegen sollte man auch mit der Hand an derselben Stelle bleiben und keine großen Bewegungen machen, vermeide es, dich von den Saiten zu weit zu entfernen! Dann behalten die Finger die Orientierung und wissen, wo die Saite liegt, die du spielen willst.
Wenn du aber immer auf die rechte Hand schaust, kannst du dich nicht mehr auf die linke Hand und auch nicht auf deine Vorlage, dein Leadsheet, konzentrieren. Dann wirst du das Lied vermutlich auch nicht zum Laufen bekommen. Also ganz wichtig: Übe die Fingerpicking-Technik so ein, dass die rechte Hand ohne Hinschauen funktioniert!

Tipp 5:
Dieser Tipp betrifft eigentlich die linke Hand, aber hat unmittelbar mit dem Zupfen zu tun, nämlich:
Wie im Video zu sehen ist, verwende ich immer nur für jeden Akkord vier Saiten, und zwar jeweils die unteren drei + eine Basssaite, also vierte, fünfte oder sechste. Bei der grundlegenden Zupftechnik werden niemals mehrere Basssaiten gleichzeitig bei einem Akkord gespielt.
Daraus folgt, dass wir in der linken Hand oftmals nicht alle Töne greifen müssen, die wir gewohnt sind. Zum Verdeutlichen möchte ich noch einmal meine beliebten Beispielakkorde heranziehen:
Im G-Dur-Akkord greifen wir doch normalerweise sechste Saite, fünfte Saite und die erste Saite, oder, bei dem anderen üblichen G-Dur-Gitarrengriff ist es sogar so, dass man hier die unteren beiden Saiten greift. Die fünfte Saite wird aber jetzt überhaupt nicht angezupft.
Deswegen kann man hier den Zeigefinger auch weglassen. Indem wir die überflüssigen Töne gar nicht erst greifen, machen wir es uns leichter, die Akkorde flüssig und schnell zu wechseln.
Das gilt natürlich nur für die Zupftechnik, nicht für das Begleiten mit Schlagmustern!
Bei C-Dur ist es die vierte Saite, die überhaupt nicht verwendet wird, also können wir den Mittelfinger weglassen. Den D-Dur-Griff können wir nicht weiter reduzieren, weil er sich komplett auf den unteren vier Saiten abspielt, und diese werden ja alle benötigt beim Zupfen.
Somit ist es möglich, in der linken Hand einiges an Bewegung zu sparen und somit auch im höheren Tempo eine Zupftechnik anzuwenden, weil man viel weniger greifen muss als gewohnt.

Das waren sie schon, meine fünf Tipps, und der Bonus-Tipp lautet wie immer: „Üben, üben, üben!“. Spaß beiseite: Für mich kam damals die entscheidende Wende, als ich mich zwang, vieles auch mit den Fingern zu spielen, was ich vorher aus Bequemlichkeit immer nur mit dem Plektrum geübt hatte. Es ist irgendwie wie Laufen lernen und mann muss so eine Technik verinnerlichen, um sie dann wieder vergessen zu können. Denn die Aufmerksamkeit beim Spielen braucht man ja meistens noch für andere Dinge. Fange vielleicht mit Leersaiten an, und wenn deine rechte Hand beginnt, sich wohl zu fühlen, kannst du Schritt für Schritt die Fingerpicking-Technik auch auf Lieder anwenden.
Ich wünsche dir viel Erfolg!

Allen Anfängern möchte ich auch meinen Kurs „
Liedbegleitung für Einsteiger“ ans Herz legen, in dem ich über ein ganzes Jahr systematisch die Grundlagen des Gitarrenspiels vermittle.
Alle Infos zu diesem Kurs findest du auf
HIER!
Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit, lass mir doch einen Kommentar hier, bis zum nächsten Mal!

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